Ein bisschen mehr dafür

Ein bisschen mehr dafür

15. September 2018 0 Von minibutmain

Es war endlich Donnerstag. Endlich fast Wochenende und ich konnte es kaum erwarten mein betrunkenes ich wieder zu treffen. Erledigt und trotz der sich über Wochen angesammelten Müdigkeit beschloss ich mich bei 36 Grad aus dem Haus zu bewegen. Ein Spritzer sollte es werden, und meine Freundin traf ich auch noch. Win Win also.

Ich zwang mich in die unklimatisierte U-bahn und fuhr los. In meinen Ohren laute 90ies Popmusik die viele meiner Freunde als nervig empfinden würden. Spätestens als „Nächster Halt Neubaugasse“ aus den Lautsprechern der U-bahn ertönt war ich bereit für die Nacht. In freudiger Erwartung eines Spritzers und meiner Freundin verließ ich die U-Bahn.

Auf dem Weg in das Lokal stach mir ein leuchtend rotes Schild ins Auge. „Nein zum 12 Stunden Tag“.  Das Schild war wirklich sehr… rot, fast aggressiv könnte man sagen. Auf den ersten Blick erschien mir das Plakat als nichts besonderes, ein Plakat wie jedes andere. Ein rotes Plakat eben. Unberührt und wenig inspiriert setzte ich meinen Weg fort.

Heute Morgen, hatte ich das Plakat noch immer lebhaft in Erinnerung und mir kam ein Gedanke.

„Nein zum 12-Stunden Tag“ – Gegen den 12-Stunden Tag. Warum nicht FÜR den 8 Stunden Tag? Warum gegen Hass und nicht für Liebe? Warum gegen Fremdenfeindlichkeit und nicht für Nächstenliebe, Respekt und Toleranz? Warum gegen unfaire Arbeitsbedingungen und nicht für faire Arbeitsbedingungen?

Selbst konnte ich mir diese Frage leider nicht beantworten. Natürlich ist mir bewusst, dass es rhetorische Gründe dafür gibt gerade bei kontroversen Themen wie dem 12-Stunden Tag dagegen zu werben anstatt sich für das Gegenteil einzusetzen.

Mir ist bewusst, dass die Autoren dieses Plakates ihr Ziel erreicht haben, ich mache mir Gedanken darüber. Ich stelle mir unendlich viele Fragen. Vielleicht hätte ich das Schild als Aufruf verstehen sollen. Vielleicht ist es in Mode, gegen etwas zu sein anstatt dafür. Vielleicht haben Menschen Spaß daran dagegen zu sein. Vielleicht hätte ich mich aggressiv fühlen sollen. Vielleicht, aber auch nur vielleicht hätte ich den Rat befolgen sollen und auch dagegen sein.

Es gefällt mir nicht. Das aggressive rote Plakat und auch der Gedanke daran dagegen zu sein. Ich bin lieber dafür. Lieber für das was wichtig ist, für das Gegenteil von Dingen die mir nicht gefallen. Lieber dafür als dagegen.

Für schöne Dinge, nur gegen das rote Plakat.