Meine erste eigene Wohnung

Meine erste eigene Wohnung

17. September 2018 0 Von minibutmain

Meine erste eigene Wohnung

 

Es ist laut. U-Bahnen, Menschen, Hunde, Autos egal wo ich hinsehe. Es ist überall laut.

Ich habe mich schon lange auf diesen Tag gefreut. Dieser Tag an dem ich ENDLICH in Wien wohnen werde, ich konnte es kaum erwarten. Nun stehe ich hier am 3. Gleis des Wiener Westbahnhofes mit zwei großen Reisetaschen und einem Rucksack am Rücken der mir das Atmen schwer macht. Eigentlich war ich ja schon so oft in Wien! Fast jedes Wochenende war ich hier.

 

Ich mache mich mit all meinem Gepäck zur U-Bahn, die U3. Aufgeregt auf der einen Seite und überwältigt auf der anderen laufe ich quer über den Bahnhof und die Treppen runter. Ich war erst einmal in meiner neuen Wohnung gewesen und das war bei der Besichtigung. Ich weiß also in welcher Adresse ich wohne und bin diesen Weg auch schon einmal gegangen, aber ich habe das Gefühl noch nie an diesem Ort gewesen zu sein.

 

In der U-Bahn ist es heiß. Es ist Spätsommer, September um genau zu sein, ich glaube der fünfte. Die U-Bahn ist voll und da ich mit all meinen Taschen viel Platz brauche versuche ich die anderen Passagiere so wenig wie möglich zu behindern. Eine schwierige Aufgabe wie mir scheint. Letztendlich werde ich in eine Ecke gedrängt. Nicht in eine der vorderen Ecken die sich direkt an der Tür befinden, sondern in eine hintere Ecke. Die Tür direkt neben mir öffnet sich zwar aber nicht an meiner Station. Leicht gestresst und aufgeregt fahre ich durch die U-Bahn-Stationen Wiens. Ich bin 18 und bin alleine in einer neuen Stadt, ich bin unsicher und möchte höflich sein, also kein Gedränge anstiften.

 

„Nächster Halt: Schlachthausgasse“. Mein Herz beginnt zu rasen. „ICH MUSS RAUS ICH MUSS RAUS“ schreit mein inneres Ich so laut, dass ich mich kaum noch auf mein Umfeld konzentrieren kann. „Lasst mich raus“ denke ich mir. Ich habe wieder einmal kein Datenvolumen mehr auf meinem Handy, also wenn ich hier nicht rauskomme kann nicht einmal Google Maps mich retten. Ich nehme all meinen Mut zusammen, packe meine großen Reisetaschen in beide Hände und mache mich bereit. Vollgepackt und verschwitzt versuche ich mich mit einem unsicheren aber halb aggressiven „Entschuldigung, Entschuldigen sie bitte ich müsste hier raus“ aus der U-Bahn zu kämpfen. Ich habe es geschafft YES, und es war halb so schlimm eigentlich.

 

Aus der U-Bahn befreit stehe ich nun erneut am Gleis. „In welche Richtung soll ich denn jetzt gehen?“ murmle ich in mich selbst hinein. Ich war zuvor noch nie mit der U-Bahn zu meiner neuen Wohnung gefahren, sondern nur mit der Straßenbahn. „Fuck it“ denke ich mir und starte in irgendeine Richtung los. Die falsche Richtung sollte mich jetzt auch nicht mehr aufhalten wo ich denn schon so weit gekommen war.

 

Zum Glück war es die richtige Richtung. Die U-Bahn-Station ist an der gleichen Stelle wie die Straßenbahnstation. Ich fühle mich wieder sicher. Nun wusste ich wie ich gehen musste um zu meiner Wohnung zu kommen. Ich kann es kaum fassen. Ich ja ICH habe eine EIGENE Wohnung in WIEN. Und ich stehe kurz davor meine Sachen in die Wohnung zu bringen um ein neues Leben zu starten. Wow dachte ich mir, das wird toll.

 

Ich nehme meine Beine in die Hand und starte selbstbewusst los. Am Weg grüße ich alle Personen die mir über den Weg laufen mit einem überfreundlichen „Grüß Gott!“, man will ja höflich zu den Nachbarn sein.

 

Endlich an der richtigen Adresse angekommen mache ich eine kurze Pause. Meine Wohnung ist im 2. Stock und ich habe viele schwere Taschen zu tragen. Ich will also kurz meine Kräfte sammeln. Nach 2 Sekunden beschließe ich die Pause zu beenden und stakse erschöpft und erfreut zugleich die Stiegen hinauf. Top 51, das ist meine Wohnung! Ich stecke den Schlüssel in das Loch und drehe ihn zweimal um. Die Tür ist offen.

Ich stehe vor einer vollkommen leeren Wohnung, keine Möbel, keine Mitbewohner. Nur ich und die leeren weißen Wände meiner ersten eigenen Wohnung.

Erschöpft und überglücklich lasse ich mich auf den Parkettboden meines Zimmers sinken.

„Das ist meine erste eigene Wohnung.“